Über die Pflege säureempfindlicher Kunst- und Natursteinoberflächen

Da haben Sie sich nun den schönen Kalkstein in der Küche verbauen lassen. Die Küche glänzt und hebt die Kochlaune und vor allem Essenslaune aller Familienmitglieder. Beim Fliesenstudio, wo Sie sich den Stein ausgesucht haben, hat man Ihnen eine ganze Reihe von Tipps und eine Flasche eines genau für den Kalkstein geeigneten Pflegereinigers mitgegeben. Doch nach nur wenigen Monaten ist die Oberfläche mit stumpfen Flecken und Glasabdrücken übersäht, die sich nicht entfernen lassen wollen. Was ist da passiert?

In der Regel ist die Ursache für solche Flecken und Ringe weder der Reiniger, den Ihnen das Fliesenstudio mitgegeben hat, noch ist es die Qualität des Steines, den man Ihnen verkauft hat. In der Regel ist die Ursache für solche Flecken und Ringe mangelndes Wissen darüber, wo überall Säure enthalten ist, die besonders säureempfindliche Oberflächen wie Kalkstein angreifen kann.

Säuren verursachen Verätzungen. Das heisst, der Stein wird an der Stelle, wo er in Kontakt mit der Säure kommt, aufgelöst und chemisch in das entsprechende Produkt dieser Reaktion umgewandelt. Diese Stellen verlieren an Glanz, weil die Oberfläche verändert wurde, sie erscheinen uns stumpf und fleckig. Wegputzen, reinigen oder mit einem Mittel behandeln, so dass der Glanz wiederhergestellt wird, kann man nicht. Diese Verätzungen sind physikalische, irreversible Veränderungen der Oberfläche. Das ist kein Schmutz, den man abreinigen kann!

Abhilfe schafft man hier nur durch ein physikalisches Polieren und Schleifen der Steinoberfläche, um den ursprünglichen Glanz wiederherzustellen. Da dies je nach Stärke der Verätzung und Ausdehnung der betroffenen Fläche ein recht aufwendiger und daher teurer Vorgang sein kann, ist es hilfreich sich bewusst zu machen, wo überall Säure enthalten ist.

• Obstsäfte:

Obst enthält natürlich vorkommende organische Hydroxycarbonsäuren und Dicarbonsäuren. Manche Früchte wie z.B. die Birne enthalten nur geringe Bestandteile dieser Säuren, andere wie die Zitrone sehr viel. Wenn Sie sich also ein Glas Orangensaft einschenken, dabei ein paar Tropfen das Glas hinabrinnen und die dadurch entstanden Ringe aus Orangensaft auf dem Kalkstein nicht sofort abwischen … ätzen diese Fruchtsäuren den Kalkstein an.

• Mineralwasser:

Sprudelndes, NICHT stilles Mineralwasser enthält Kohlensäure. Und Kohlensäure ist … eine Säure. Genau das gleiche Spiel wie bei den Fruchtsäuren. Der Stein wird angeätzt, die angeätzte Stelle verliert ihren Glanz und man sieht im Gegenlicht lauter Glasringe.

• Cola und andere Softdrinks mit Kohlensäure

Das selbe gilt für Cola und alle anderen Softdrinks, die Kohlensäure enthalten. Der Kohlensäuranteil in der Flüssigkeit verätzt den Stein.

• Bier:

Die optisch so prägnante Krone aus geschäumtem Bier wäre nichts ohne das Gas Kohlendioxid, welches aus dem Bier entweicht, weil Bier Kohlensäure enthält. Kohlensäure, siehe Mineralwasser & Cola.

• Wein:

Wein enthält unterschiedliche Anteile von Wein- und Apfelsäuren, so dass man auch hier darauf achten sollte möglichst keinen Wein auf säuremepfindlichen Oberflächen zu verschütten. Weinsäure wird in der Lebensmittelindustrie auf Grund seiner geschmacklichen und konservierenden Wirkung zwar sehr oft verwendet (z.B. in Speiseeis), die hier enthaltenen Anteile sind aber meist zu gering, um entsprechende Ätzwirkung auf Stein zu entfalten.

• Essig:

Gewürzgurken und andere Lebensmittel sind in Essig eingelegt. Essig ist „sauer“, weil er Essigsäure enthält. Säure ätzt, der Stein wird stumpf.

• Obst- und Pflanzenreste:

Gerade an heißen, schwülen Sommertagen kann es schnell passieren, dass Obst und Gemüse schlecht und faulig wird. Beim Faulprozess entstehen auch Säuren, die bei längerer Einwirkungszeit (man fährt zwei Wochen in Urlaub und hat auf der Arbeitsfläche ein paar Trauben liegenlassen) große Schäden auf säureempfindlichen Oberflächen anrichten können.

• Schutz durch Imprägnierung

Da man aber nicht jedes Mal in Sekundenschnelle hinterherputzen kann und manche Säuren in höherer Konzentration sofort wirken, ist es sehr ratsam gerade Arbeitsflächen im Küchenbereich zu imprägnieren. Diese Schutzimprägnierung erhöht die „Widerstandskraft“ des Steines gegen Säuren und sorgt dafür, dass Säurerrückstände nicht sofort ihre ätzende Wirkung entfalten.

• Kluge Auswahl der Steines zum geplanten Verwendungszweck

Es gibt sehr viele, sehr schöne Steine, die mit Maserungen, Farbe und Kristall- und Quartzeinschlüssen optisch sehr eindrucksvoll wirken. Doch nicht jeder Stein ist für jeden Zweck geeignet. Gerade im Küchenbereich empfiehlt es sich möglichst KEINE säureempfindlichen Steine zu verwenden, sondern Schiefer, Granit oder andere unempfindlichere Steinsorten einzubauen. Man erspart sich durch eine kluge Vorauswahl später viel Ärger, Arbeit und Geld.

 

 
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